Arturia MatrixBrute

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Arturia MatrixBrute, analoger Synthesizer mit 16x16 Modulationsmatrix, 64 Schritt Step-Sequencer, Steiner-Parker- und Ladder-Filter.
Arturia MatrixBrute-1
Details    |   Testbericht
Arturia MatrixBrute

Der MatrixBrute ist Arturias größter Analogsynthesizer. Der Name leitet sich aus der gigantischen, 16x16 Matrix ab, die komplexe Modulationen erlaubt und als umfangreicher Step-Sequencer mit 64 Schritten dient. Die Klangerzeugung geschieht komplett analog mit drei Oszillatoren und der Auswahl zwischen zwei verschiedenen Filter-Typen: Steiner-Parker und Ladder.

Features
  • Analoger Synthesizer
  • Zwei Oszillatoren mit Sägezahn, Puls und Dreieck
  • Dritter Oszillator kann für Audio und als LFO verwendet werden
  • Zwei eigenständige LFOs mit je sieben Wellenformen
  • Drei Hüllkurven
  • Waveshaper für echten "Brute"-Sound
  • Monophon, Paraphon oder Duo Split
  • Steiner-Parker- und Ladder-Filter
  • 16 Modulationsquellen x 16 Modulationsziele
  • Step-Sequencer mit 64 Schritten
  • 12 CV-Ein- und 12 CV-Ausgänge
  • Gate und Sync I/O
  • MIDI In/Out/Thru
  • USB
  • Line- und DI-Eingang
  • Stereo-Ausgang (Klinke)
  • 49er Tastatur mit Velocity und Aftertouch

Testbericht Arturia MatrixBruteMit dem MatrixBrute stellt Arturia den MicroBrutes und MiniBrutes ein ausgewachsenes Synthesizer-Flaggschiff zur Seite, das ganz auf eine analoge Klangerzeugung setzt.
Arturia MatrixBrute
Der wahlweise monophone, paraphone oder im Dual-Split spielbare MatrixBrute ist ein richtiges Arbeitstier unter den analogen Synthesizern, lässt fast nichts aus, was das Herz des Klangtüftlers und Groove-Artisten begehrt und bietet eine ganze Reihe einzigartiger Extras. Eine Analyse der Details lohnt sich. Zunächst aber ein Überblick zur Orientierung:


Die Architektur

Die Klangerzeugung erfolgt durch drei analoge Oszillatoren (VCO, spannungsgesteuerte Oszillatoren) und einen Rauschgenerator. Über einen Audioeingang können zudem externe Signale eingebunden werden.
Die Klangformung beginnt auf Oszillatorebene über mischbare Wellenformen: Sägezahn mit Ultrasaw, Rechteckwelle mit Plusbreitenmodulation, Dreieckswelle mit Metalizer, Suboszillatoren, Frequenzmodulation, Oszillator-Synchronisation sowie alternative Rauschformen für das Noise-Modul und ein Eingang für externe Signale.
Alle fünf Klangquellen können zu einem der beiden seriell oder parallel schaltbaren Multimodefilter oder zu beiden weitergeleitet werden. Die  Filter verfügen über eine gemeinsame ADSR-Hüllkurve, die dosierbar auf die Anschlagsdynamik reagiert, ebenso wie die globale Lautstärke-Hüllkurve. Die Anschlagsdynamik nimmt damit Einfluss auf die Intensität der Steuerspannung des Envelope Generators. Über die Matrix können die Hüllkurven auch anderen Zielen zugewiesen werden.
Als Modulationsquellen stehen neben einer dritten ADSR-Hüllkurve drei LFOs bereit. Hinzu kommen die klassischen Spielhilfen Modulationrad und Pitchbender sowie drei (optionale) Pedale (Sustain, zweimal Expression). Darüber hinaus finden sich vier Macro-Regler direkt neben der Klaviatur, mit denen mehrere Parameter gleichzeitig moduliert werden können.

Extrem leistungsstark präsentiert sich die Matrix: Weitreichende Konfigurationen, die auch Aftertouch und die Anschlagsdynamik einschließen, werden über ein Feld mit 16 x 16 beleuchteten Tasten konfiguriert, das per Umschalttaster den  Sequencerbetrieb (mit 64 Steps) steuert oder zur direkten Anwahl eines der 256 Presets dient (die jeweils Klangkonfigurationen und Sequencer-Pattern enthalten). Bewegung in den Klang bringt neben dem Sequencer ein Arpeggiator.

Integriert man den MatrixBrute als externen Klangerzeuger in einen Host-Sequencer, so kann nicht nur der Sequencer, die LFOs und das interne Echo aus der ebenfalls analogen Effektabteilung zum Tempo synchronisiert werden. Dank umfangreicher MIDI-Implementation können alle Reglerbewegungen und Klangevolutionen aufgezeichnet werden. Nebenbei bietet sich der MatrixBrute damit auch zur Steuerung aufwändig ausgestatteter virtueller Instrumente an.

Bevor wir ins Detail gehen, sie vorweggenommen, dass der MatrixBrute eine breite Palette analoger Synthesizerklänge abdeckt: Von runden und warmen Bässen oder Leads bis zu brachialen, kernigen Sounds und Klangexperimenten ist alles drin. Unter den Presets trifft man nicht nur auf zahlreiche dancetaugliche Sequenzen, sondern auch auf fragile, wehmütig schwebende (paraphone) Flächenklänge und viel Experimentelles, das auch Klangdesigner und Spielevertoner ansprechen dürfte.

Seine Klangerzeugung, die Filter, die Modulationsmatrix und der Sequencer machen ihn zu einem echten Klangmonster für Club/Dance, analoge Klangforschung und Klangexperimente aller Art. Zudem kann über einen Insert-Weg auch externe klangformende Hardware eingebunden werden - etwa Kompressor, EQ oder Filterbox.

Hier hören Sie zwei Sounds aus dem Repertoire der Werkspresets: Einen Rhythmus und eine einfache Sequenz:





Eine weitere Sequenz, zusammen mit einer externen Beat-Box (Soniccouture Electro-Acoustic):





Monophon, paraphon oder Duo-Split

Will man extrem breite und fette, dichte und schwebende oder monströs bissige Klänge erzielen, mit denen man Löcher in Blech bohren kann, setzt man im monophonen Modus die gesamte Klangerzeugung für eine Note ein. Fließende Notenübergänge mit steuerbarer Übergangsgeschwindigkeit erreicht man über den Glide-Regler.

Im paraphonen Betrieb werden die drei Oszillatoren für drei Stimmen verwendet. Spielt man legato, so kommen die Oszillatoren (angefangen bei VCO 1) Note für Note der Reihe nach zum Einsatz. Das Gleiche gilt für Dreiklänge. Spielt man abgesetzte Noten, so erklingt nur Oszillator 1. Paraphon ist also nicht gleichbedeutend mit polyphon: Der MatrixBrute verleiht je nach Oszillatoreinstellungen den Noten unterschiedliche Klangfarben, abhängig von der Spielweise.

Das Patch "Slowly" ist ein Beispiel für einen paraphonen Klang:





Im DUO-Split-Modus teilt man die Tastatur, durch einfaches Setzen eines Split-Punktes. Im oberen Bereich erklingen die Oszillatoren, die dem VCF 1 (Steiner Filter) zugewiesen sind, im unteren Tastaturbereich jene, die über den VCF 2 (Ladder Filter) laufen. Per default sieht die Schaltung folgendermaßen aus:


Arturia MatrixBrute


Verarbeitung und Bühnentauglichkeit

Schon wenn man das Paket im Empfang nimmt, ahnt man, dass sich es sich beim MatrixBrute um einen ausgewachsenen Synthesizer-Boliden handelt. Den rund 20 kg Gewicht steht eine opulente Erscheinung gegenüber.

Im Zeitalter allgegenwärtigen Plastiks hat Arturia dem MatrixBrute ein vorbildlich solides Chassis aus Metall spendiert. Aus Metall sind auch der silbrig glänzende Pitch-Bender, das Modulationsrad sowie die Master-Regler Cutoff und ModAmount. Edle Holzapplikationen an den Flanken und oberhalb der Klaviatur verbreiten einen Hauch von Noblesse.

Arturia MatrixBrute

Der MatrixBrute mit seinem sowohl flach als auch in vier verschiedenen Winkeln aufklappbaren Bedienfeld wurde von Axel Hartmann designt und präsentiert sich ebenso übersichtlich wie folgerichtig (nämlich dem Signalfluss folgend) aufgebaut.
Arturia MatrixBrute
Der MatrixBrute ist reich mit Bedienelementen besiedelt. Die 63 griffig gummierten Regler weisen keinerlei Fertigungstoleranzen auf und laufen butterweich, ebenso die 15 Fader der Hüllkurven. Alle Funktionstaster arbeiten sauber - hier wackelt nichts.

Eine Wucht ist die großflächige Matrix mit ihren 256 beleuchteten Tastern. Überall, wo ein bestimmter Betriebsstatus signalisiert werden soll, geschieht das über LEDs; beispielsweise bei reinen Intervallen der Oszillator-Grobstimmung, bei der gewählten LFO-Wellenform, beim Filterrouting und den Notenwerten des (synchronisierten) Sequencers. Dessen Tempo wird über ein Display angezeigt; ein zweites zeigt den Presetnamen und die Ziele der vier frei zuweisbaren Modulationsverknüpfungen an.
Wer sich dieses edle Teil zulegt, wird es sicher wie ein Instrument und nicht wie ein beliebiges Werkzeug behandelt. Ungeachtet dessen ist der MatrixBrute so ausgelegt, dass er auch im rauen Bühnenalltag besteht.


Konnektivität

Auch mit Anschlüssen geizt der MatrixBrute nicht. Angenehm und praxisnah ist, dass die Kopfhörerbuchse (mit eigenem Pegelregler) frontseitig links angebracht ist und dadurch Behinderungen durch das Kabel ausgeschlossen sind.

Rückwärtig finden sich das erwähnten MIDI-Trio, USB und die drei Pedalbuchsen, zudem Sync In/Out, Audio In mit Instrument/Line-Schalter, Pegelregler und zuschaltbarem Gate, ein Insert und eine Reihe von CV-In und Outs: Hier werden Steuerspannungen ausgegeben und empfangen. Der MatrixBrute ist damit bestens ausgerüstet, um in einem Verbund mit externen analogen Modulen eingesetzt zu werden - alle Achtung!

Arturia MatrixBrute


Klaviatur

Die typische Synthesizer-Klaviatur des MatrixBrute umfasst vier Oktaven und ist angenehm leicht spielbar. Einen Druckpunkt konnte ich allerdings nicht feststellen. Die Klaviatur lässt sich auch über lange Zeit ermüdungsfrei spielen und erlaubt sowohl schnelle Läufe als auch ausdrucksstarke Soli, die von anschlagsdynamisch modulierbaren Parametern ebenso wie vom Aftertouch profitieren. Die Klaviatur ist am Gerät selbst um plus/minus zwei Oktaven transponierbar. Über das kostenlose Control Center, zu dem wir gleich kommen werden, können alternative Velocity-Curven gewählt werden.


Die Einrichtung des MatrixBrute - Das MIDI Control Center

Nachdem man den MatrixBrute via USB (alternativ klassisch über das MIDI In/Out/Thru-Trio) verkabelt und die Audioverbindungen hergestellt hat, sollte man sich zunächst die Software MIDI Control Center von der Arturia-Seite herunterladen und mit ihrer Hilfe die Firmware auf den neuesten Stand bringen. Das funktioniert auf diesem Weg vollautomatisch: Ein Mausklick genügt. So vermeidet man Kommunikationsprobleme mit der DAW, die unter der Firmware 1.0.0 noch auftreten können, inzwischen aber behoben sind.

Arturia MatrixBrute

Über das Control-Center konfiguriert man die MIDI-Basiseinstellungen, darunter den MIDI-Kanal, Local on/off und die Synchronisation (MIDI Clock Source: USB, USB+MIDI, MIDI, off). Auch drei Velocity-Kurven (ansteigend linear, logarithmisch oder exponentiell, nicht aber flat) stehen hier zur Auswahl, darüber hinaus die Empfindlichkeit des Aftertouch und diverse Modi für das Abgreifen von realen Parameterwerten bei Bewegung der Regler. (Die Position der physikalischen Regler stimmt bei Presetwechseln logischerweise meist nicht mit den eingestellten Werten überein.)

Zudem kann man über das Control Center eine Bibliothek mit Presets und Sequenzen auf dem Rechner anlegen und mit dem MatrixBrute austauschen.

Arturia MatrixBrute

Was ich vermisst habe, ist ein "Recall Last Preset", durch den der MatrixBrute beim Wiedereinschalten mit dem zuletzt verwendeten Preset startet.

Auch war es auf meinem Testsystem, einer Haswell Extreme-Workstation mit Windows 8.1 und Cubase Pro 9 vereinzelt nötig, den MatrixBrute aus- und wieder einzuschalten, damit er vom Contzrol Center erkannt wurde. Ein gleichzeitiger Betrieb des MatrixBrute als externes Instrument innerhalb von Cubase und das Ansprechen über das MIDI Control Center war nicht möglich. In der Praxis stellt das jedoch keine nennenswerte Einschränkung dar.


Erstes Kennenlernen - Die Presets

Zum Kennenlernen bieten sich zunächst die 256 internen Presets an, die teils mit Sequenzen ausgestattet sind und alle die Modulationsmatrix benutzen. Hier trifft man auf viele beeindruckende Klänge: Klassische Analogbässe, satt und mit Druck, Leads mit Biss und Durchsetzungskraft, sogar komplette Rhythmen, deren Hi-Hats vom Noise-Generator erzeugt werden und über Filter und Hüllkurven wunderbar moduliert werden können.

Das folgenden Audiodemo soll verdeutlichen, wie man einen Rhythmus gestalten kann: Beim Preset "Black Lights" habe ich per Modulationsrad die Hi-Hat moduliert, die über den Rauschgenerator erzeugt wird und zugleich den tonalen, angezerrten Sound ausgeblendet. Über die vier Macro Knobs habe ich das Decay der Bassdrum moduliert und Effekte eingeblendet.



Man trifft neben angesagten Dance-Sounds auf die unterschiedlichsten extravaganten bis experimentellen Vorlagen, etwa analoge Streicher mit ebenso geschmackvoll inszenierten wie wehmütigen Verstimmungen, die beispielsweise modern ausgelegten Balladen melancholische Soli mit Hinhör-Effekt beisteuern können.

Eine weitere Sequenz, dazu das Patch "Nostalgic Strings":



Zappt man durch die Presets, so stellt man schnell fest, dass der MatrixBrute nicht den einen charakteristischen Klang hat, sondern unterschiedliche Sounds generieren kann. So präsentiert er sich mal rau bis brachial, mal fein bis metallisch, dann wieder rund und warm, ähnlich wie ein Moog.

Etwas Experimentelles: Ein Noise-Beat (Werksklang) und eine Art Noise-Orgel, die per Modulationsrad zu einem brüllenden Monster mutiert:




Schaut man sich die Parameter der Oszillatoren und Filter an, so wird schnell klar, warum der MatrixBrute zu derart vielseitigen Klänge fähig ist. Damit steigen wir in die Details ein:


Die Oszillatoren

Die ersten beiden Oszillatoren mit Grob- und Feinstimmung (plus/minus 2 Oktaven; plus/minus 100 cent) sind identisch aufgebaut. Ihre Wellenform wird aus den Charakteristika Sägezahn, Dreieck und Rechteck gemischt.

Arturia MatrixBrute

Zusätzliche Regler sorgen für den Feinschliff und wirken sich vor allem auf die Breite des Klanges und das Obertonspektrum aus:

Die Sägezahnwellenform kann per Ultrasaw-Regler multipliziert werden kann: Die Klone treten dann zeitlich versetzt in Aktion und bewirken extrem breite und fette, zugleich obertonreiche Klänge.
Der Metalizer bewirkt ein sogenanntes Wavefolding der Dreieckswellenform und bewirkt einen metallischen Klang. Es entstehen komplexe Wellenformen, die reich an Obertönen sind.
Bei der Rechteckwellenform kann die Pulsbreite verändert werden.
Für ein solides Fundament sorgt ein um eine Oktave nach unten transponierter Suboszillator. Sägezahn- und Rechteckwelle kann hier stufenlos überblendet werden.

Per Taster kann Oszillator 2 als Slave zu Oszillator 1 synchronisiert werden.

Unterm Strich sind Basisklänge von breit und derb bis fein und obertonreich möglich. Schon alleine die ersten beiden Oszillatoren lassen kaum Wünsche offen. Doch es bleibt nicht dabei:

Ein dritter Oszillator bietet die Grundwellenformen Dreieck, Sägezahn, Rechteck und Sinus. Via Keyboard Tracking ist er tonal spielbar, und kann gleichzeitig als (dritter) LFO betrieben werden.

Ein Rauschgenerator bietet Rauschformen mit unterschiedlich starker Energie im tieffrequenten Bereich: Weißes, Rosa, Rotes und Blaues Rauschen. In Kombination mit dem Sequenzer und den Hüllkurven lassen sich damit Hi-Hat-Figuren oder maschinenartige Geräusche simulieren. In erster Linie nutzt man den Rauschgenerator jedoch, um Wärme, Rauheit, Patina oder Schmutz in den Klang einzubringen. Derbe Klangexperimente gelingen, wenn man den Rauschgenerator im Modul "Audio Mod" zur Modulation des ersten Oszillators oder des ersten Filters verwendet.

Im Bereich Audiomodulation stehen drei weitere Regler bereit, um eine Frequenzmodulation zwischen den Oszillatoren sowie der Filter durch Oszillator 3 zu erzeugen. Hier eröffnet sich herrlich intuitiv eine Spielwiese für fortgeschrittenes Klangdesign, etwa für schräge, tonal instabile und fragile Klänge.


Mixer und Filter

Damit der MatrixBrute auch einen Klang ausgibt, mischt man die Lautstärke aller vier Oszillatoren (plus des externen Eingangs) über individuelle Regler und leitet ihren Output individuell zu einem der beiden Filter oder gleich zu beiden weiter. Im seriellen Betrieb lassen sich kombinierte Filterkurve aus beiden Modulen einrichten. In diesem Fall durchlaufen alle Klangquellen beide Filter.

Arturia MatrixBrute

Filter No. 1 ist ein Steiner-Modell, wahlweise mit Tief-, Band- und Hochpass- oder Notch-Charakteristik, jeweils mit 12 oder 24 dB Flankensteilheit. Neben diesem Klassiker, dessen Original aus den 1970ern auf Nyle Steiner und den analogen Steiner-Parker Synthacon zurückgeht, ist mit dem (zweiten) Ladder-Filter eine weitere Legende an Bord.

Das Steiner-Filter klingt eine Spur drahtiger, zugleich bei hoher Resonanz und Selbstoszillation in der Lautstärke ausgeglichener als das Ladder-Filter (Tief-, Band- oder Hochpass mit 12 und 24 dB Flankensteilheit). Dieses eignet sich wiederum für runde und warme Sounds moog´scher Prägung. Mit hoher Resonanz entstehen schneidende bis schrille Klänge. Im parallelen Modus gelingen mit beiden Filtern zusammen und nur einem Oszillator bereits ausgesprochen farbenreiche und kräftige Klänge, die mittels Brute-Factor (dazu gleich) zu einzigartig durchsetzungsfähigen, kernigen Bässen oder Leads mutieren.

Beide Filter verfügen neben der Eckfrequenz (Cutoff) und der Resonanz über einen Vorverstärker, mit dem sie zwecks analoger Sättigungseffekte oder deftiger Anzerrung dezent bis hart angefahren werden können.

Arturias spezieller "Brute Factor" produziert im Linksanschlag kreischende Monster-Sounds, die sich mit jeder verzerrten Gitarre messen lassen können, mit zunehmender Rechtsdrehung bizarre brutzelnde Klänge wie aus Frankensteins Labor. Vor allem bei hohen Drive-Werten sind brüllende bis desaströse, ins atonale übergehende Klänge möglich, wie ich sie abseits ausgebuffter Modularsystemen bislang noch nicht gehört habe.



Die Filter verfügen über eine gemeinsame, dosierbar anschlagsdynamische ADSR-Hüllkurve, deren Einfluss pro Filter gewichtet und auch invertiert werden kann. Zudem gibt es einen globalen Cutoff, der auf beide Filter einwirkt.

Tipp: Um das Klangspektrum von Oszillatoren und Filtern auszuloten, drückt man auf die Taste "Panel" und "Preset". Dadurch wird der MatrixBrute auf einen einfachen Klang ohne komplexe Modulationen zurückversetzt (und ohne, dass dabei ein Preset überschrieben wird). Anschließend dreht man im Mischer alle Oszillatoren bis auf einen zu und routet diesen zu einem der beiden Filter.

Arturia MatrixBrute


Modulamania

Bei einem Modularsystem bräuchte man mehr als nur eine Handvoll Strippen, um eine ähnlich breit aufgestellte Modulation wie beim MatrixBrute einzurichten, und würde sich durch den Kabelsalat den stressfreien Zugriff auf die Regler verbauen.
Beim MatrixBrute stellt man einfach per Knopfdruck eine Verbindung zwischen Modulator und Modulationsziel her und stellt die Modulationsstärke und -richtung mit dem großen ModAmount Regler her. Anschließend bekundet eine blau leuchtende Taste die Verknüpfung. Schneller und übersichtlicher geht es nicht.

Fest verdrahtet sind die wichtigsten Ziele, vor allem Osziallator- und Filterparameter. Daneben stehen vier frei zuweisbare Slots bereit (wie eingangs erwähnt). Es dürften kaum Wünsche offenbleiben.

Neben der bereits beschriebenen Audio-Modulation lassen sich mit drei Hüllkurven und drei LFOs im Nu fließende oder pulsierende Klangmodulationen erstellen.

Die LFOs 1 und 2 verfügen über sieben umschaltbare Wellenformen, darunter auch Sample & Hold sowie einen Zufallsgenerator. Die LFO-Geschwindigkeiten reichen von langsamen 18 Sekunden bis in den hörbaren Bereich bei 100 Hertz. Sie eignen sich daher für Klangfahrten, ein klassisches Vibrato und im Single-Modus auch für einmal durchlaufende Filtersweeps in der Attackphase. Im Endlos-Betrieb und synchronisiert zum Sequencer und Host-Tempo produzieren sie taktgenaue Klangmetamorphosen.

Arturia MatrixBrute

Die Matrix hat jedoch noch weit mehr zu bieten:

Mittels anschlagsdynamischer Modulation, etwa der Pulsbreite der Oszillatoren oder der Filter-Cutoffs werden Klänge sofort lebendig und ausdrucksstark spielbar. Per Aftertouch setzt man Akzente oder krempelt den Klang gleich komplett um.

Abgefahrene Klangsequenzen erreicht man, indem man die Modulationsspur des Sequencers als Modulationsquelle einsetzt. Die Amplitude des eingehenden externen Audiosignals kann ebenfalls als Modulationsquelle dienen (Envelope Follower). Schließlich wird die Klangsteuerung über die beiden Expression-Pedale und die vier Makro-Regler in der Matrix konfiguriert.

Das Modulationsrad kann ebenfalls über die Matrix belegt werden und dann mehrere Parameter gleichzeitig steuern - bis zu 16, wie bei allen Modulatoren. Per Taster kann das Modulationsrad jederzeit zu einer einfachen Steuerung des Filter-Cutoffs, für ein Vibrato oder Tremolo benutzt werden, sodass man bei einer Live-Performance innerhalb eines Presets alleine mit dem Modulationsrad bereits vielseitig operieren kann.


Sequencer und Arpeggiator

Über den großen SEQ-Taster wechselt man von der Modulationsmatrix zum Sequencer. Dieser bietet bis zu 64 Schritte, läuft synchron zum Host-Sequencer, autonom per Tempoeingabe oder Tap-Taster. Wie schnell die Sequenz abläuft, stellt man direkt über Taster für Notenlängen ein. Auch triolische oder punktierte Noten mit und ohne Swing können gewählt werden. Mit dem Regler Gate definiert man die Abklingzeit des Klanges pro Step. Je nach VCA-Hüllkurve lassen sich so Sequenzen zwischen einer gebundenen Klangfolge und einem Stakkato stufenlos überblenden.

Die Sequenz ergibt sich aus einer Abfolge monophoner Noten, die wahlweise Schritt für Schritt oder live während des Playbacks aufgenommen wird. Es ist möglich, Noten zu binden, Pausen, Akzente und Glides einzufügen. Hinzu kommt eine Modulationszeile, die eine synchrone Klangmodulation per Sequencer ermöglicht. Die Modulationsstärke und -richtung kann dabei pro Step definiert werden. Einzigartig ist die Option, Im Duo-Split-Modus nur den Klang im unteren Tastaturbereich als Sequenz laufen zu lassen und den zweiten Sound im oberen Bereich etwa für ein Solo zu verwenden.

Sequencer-Pattern können zusammen mit dem Sound-Preset oder auch isoliert von diesem geladen werden. Es ist also möglich, jeden der internen 256 Klänge mit einer beliebigen Sequenz zu verknüpfen, von denen ebenfalls 256 Varianten bereitstehen. Das Gleiche betrifft die Speicherfunktion: Eigene Klänge und Sequencer-Pattern können zusammen oder separat im internen Speicher (oder via MIDI Control center auf dem Rechner) abgelegt werden - was praxisnah und simpel über die Save-Taste und einen Taster der Matrix geschieht.

Es lohnt es sich, verschiedene Sequencer-Patterns mit unterschiedlichen Sound-Presets  auszuprobieren. Schon alleine dadurch entdeckt man neue Klangwelten.

Das Patch "On the Run" bei 165 BPM (Beat: Soniccoutire electroAcoustic):



Zwei Spuren mit MatrixBriue: die Patches Brainfeder (modifiziert) und Ertou (der chaotisch quiekende Lead-Sound), dazu Rob Papens Punch für den Beat.



Alternativ zum Sequencer steht ein einfacher Arpeggiator bereit, der im Hold-Modus nacheinander eingespielte Noten zu einer Folge kombiniert. Wahlweise werden die Modi Abwärts, Aufwärts, Alternierend und Zufällig nebst (maximal dreifacher) Oktavierung geboten. Es muss aber nicht bei einfachen Arpeggios bleiben. Der MatrixBrute ist in der Lage, sehr ausgefallene Notenfolgen auch im Arpeggio-Betrieb zu erzeugen:

Praxistipp zum Arpeggiator

Der Arpeggiator hat noch einen besonderen Clou parat, nämlich seine Funktion als  "Matrix Arpeggiator" (ab Firmware 1.1). Den Matrix Arpeggiator schaltet man ein, indem man die Tasten Sequencer und Arpeggiator gleichzeitig drückt. Spielt man nun vier Noten ein, so können diese anschließend über die Matrix zu einer individuellen Reihenfolge einschließlich Oktavierungen darüber oder darunter zusammengestellt werden. Dafür drückt man lediglich die entsprechenden Buttons des Step-Sequencers: Für die Notenfolge des Matrix-Arpeggiators sind die unteren drei Vierer-Reihen der Matrix zuständig.

Die Wahl der Noten kann auch nach festgelegtem Arpeggio durch erneutes Einspielen verändert werden. Einzelne Noten des Arpeggios können zudem über die Pfeiltasten "Step / Octave" transponiert werden, sodass es nicht bei den vier eingespielten Noten (plus Oktravierung) bleiben muss, sondern tatsächlich ein Arpeggio aus 16 verschiedenen Noten erstellt werden kann.

Der obere Tasten-Block der matrix (mit vier Zeilen) definiert das rhythmische und klangliche Verhalten des Arpeggios mit On/Off, Akzent, Modulation und Slide. Mittels Slide sind angesagte Glitches innerhalb des Arpeggios möglich. Klangvarianten erzeugt man, indem man im Mod-Modus der Matrix der Mod / Seq - Reihe beispielsweise einen Filter-Cutoff zuweist. Es bieten sich darüberhinaus - wie bereits beschrieben - eine ganze Reihe weiterer Klangmodulationen an.


Effekte

Auch auf Effekte muss man beim MatrixBrute nicht verzichten. Dabei handelt es sich nicht um digitale Beigaben, sondern um waschechte analoge Effekte, die auf sogenannten Eimerketten-Speichern aufbauen. Mit wahlweise temposynchronen Stereo- und Mono-Echos, Chorus, Flanger und Hall stehen einige Standards zur Verfügung, die sich vor allem im autonomen Live-Betrieb bewähren aber als analoge Effekte auch im Studio ihren besonderen Reiz haben. (Nebenbei: Über den externen Audioeingang steht der Effektblock auch für fremde Signale zur Verfügung).

Die Effekte lassen sich über die Parameter Echo-Zeit, Feedback, Tone/Rate (Tiefpassfilter beim Echo, LFO-Geschwindigkeit beim Chorus/Flanger) und Width/Depth (Stereobreite beim Echo, Modulationstiefe beim Chorus und Flanger) gestalten. Ihren Anteil am Gesamtsignal stellt man mittels Dry/Wet-Regler ein. Auch dieser ist übrigens modulierbar und kann benutzt werden, um in einer Sequenz Akzente zu setzen, indem man ihn über die Modulationszeile des Sequencers steuert.

Echo und Hall machen bei Bedarf aus den brachialen Klängen, zu denen der MatrixBrute dank Brute Factor und Audio-Modulation fähig ist, regelrechte Klangwände. Spätestens dann vergisst man, dass man es mit einem monophonen Synthesizer zu tun hat. Chorus und Flanger eignen sich wiederum für zusätzliche Schwebungen bei paraphonen Flächenklängen oder eleganten analogen Lead-Sounds im Retro-Stil.


Fazit

Arturia ist mit dem MatrixBrute ein großer Wurf gelungen. Dieser rundum analoge Synthesizer sieht nicht nur beeindruckend aus, er klingt auch phantastisch. Dabei deckt er als Allrounder, der keine Kompromisse eingeht, ein breites Klangspektrum ab, und das mit einer Ausdruckskraft, die die Konkurrenz das Fürchten lehrt.

Warme, runde bis fette Bässe und Leads moog´scher Prägung sind ebenso möglich wie kernige bis brachiale Klänge. Steiner- und Ladder-Filter, kombiniert mit einem Vorverstärker und Arturias Wunderwaffe namens Brute Factor erschließen neue Klangwelten. Abgedrehte Klangexperimente und Effekte erschließen sich per Frequenzmodulation mittels Rauschgenerator Neben dem monophonen Betrieb mit voller Kraft bringt auch die Alternative mehrstimmiger paraphoner Klänge reizvolle, bislang ungehörte Instrumente hervor.

Eine breit aufgestellte Oszillator-Abteilung und zwei erstklassige Filter treffen auch eine Modulationsmatrix, die es auch mit einem ausgewachsenen Modularsystem aufnimmt. Über das CV-Anschlussboard können zudem externe Module eingebunden werden.
Der Sequencer, der nebenbei als Modulationsquelle dient, sorgt für groovige Rhythmik oder abgedrehte Klangfolgen.

Das Einsatzgebiet reicht von Dance über Rock/Pop bis zu Klangexperimenten und Effekten für die Filmmusik und Spielevertonung.

256 inspirierende Presets einschließlich Sequencer-Patterns  sind bereits an Bord. Wer sich eingearbeitet hat, wird schnell der Faszination erliegen, eigene Klänge zu gestalten. Das kann zu nächtelangen Exkursionen durch das Reich der subtraktiven Synthese führen.

Angesichts der hochwertigen Fertigung und der opulenten Ausstattung ist der Preis ausgesprochen günstig. An dieser Investition wird man jahrelang seine Freude haben. Der MatrixBrute ist jetzt schon eine lebende Legende unter den subtraktiv-analogen Synthesizern.


Plus:
  • erstklassige Verarbeitung
  • breites, beeindruckendes Klangspektrum
  • mächtige, breit aufgestellte Oszillator-Abteilung mit fünf Klangquellen
  • exzellente Filter
  • umfangreiche Audio-Modulation
  • temposynchrone LFOs
  • großzügige Matrix auf dem Niveau ausgewachsener Modular-Systeme
  • 64-Step-Sequencer
  • Aftertouch
  • problemlose Synchronisation mit Host-Sequencern
  • fairer Preis

Minus:
  • kein "Recall Last Preset"